Mit dem Fahrrad in Vietnam
Bericht 1 aus Vietnam: Wiesloch (DE) - Seoul (Korea) -
Hanoi (Vietnam) - 18. November 2003
Xin chao (Hallo auf vietnamesisch),
wir sind gelandet mitten drinnen im pulsierenden, überfüllten und chaotisch anmutenden Asien und haben das Gefühl, auf einem ganz anderen Stern angekommen zu sein. Dabei flogen wir doch wirklich nach Plan. Zuerst über Russland, Sibirien, die Wüste Gobi und sogar noch die Mongolei streiften wir.
Die Zwischenlandung in Seoul, da war auch alles leer, ruhig und fast schon steril sauber. Aber dann gings los...
Der Flieger nach Hanoi voll bis zum Anschlag, jeder hatte Handgepäck in der Größe von drei Fussballfeldern und beim Essen wurde so laut geschmatzt, dass der Mann im Mond wahrscheinlich Ohrensausen bekam.
|
|
Mit einem Shuttle gings dann in die Altstadt zu unserem vorreservierten Hotelzimmer. Es war schon nach Mitternacht und von den Feldern fuhren schwerbeladene Räder und Mopeds, die so breit wie lang waren. Neben Obst und Gemüse beförderten diese armen Zweiräder auch noch ein bis zwei Personen. Wir verglichen das kurz mit unseren Packtaschen und beschlossen spontan, auf die nächste Radtour neben einem Kühlschrank mindestens noch die Waschmaschine aufzuladen.
Das Hotel in Hanoi lag schon im Tiefschlaf. Der Nachtportier lag auf der Matratze vor dem Reservierungsdesk und erklärte in Unterhosen, dass alle Zimmer besetzt wären. Wir zeigten ihm unsere Buchungsbestätigung und sofort wollte er uns eine Matratze holen, damit wir gleich neben ihm und unserem Gepäck schlafen konnten. Wir weigerten uns und dann fiel ihm ein, dass sein Arbeitgeber ja eigentlich eine Hotelkette ist und aus ganzen zwei Hotels besteht. In dem zweiten Hotel war dann doch noch ein Zimmer für die erste Nacht. Glück muss man haben.
Und jetzt lassen wir alles zuerst mal auf uns wirken. Da wir noch nie in Asien waren, ist alles neu und aufregend für uns. Diese Intensität des Lebens ist unglaublich. Die Straßen quillen fast über vor Menschen, Mopeds, Cyclos und Lautstärke. Überhaupt wissen wir nicht genau, ob es mehr Mopeds oder Menschen gibt, ob man rechts oder links fährt oder einfach nur die Lücke sucht. Auf den Gehsteigen stehen soviele dieser stinkenden Zweiräder, dass die Menschen auf der Straße gehen müssen. Obwohl es soviel Verkehr gibt, kommt man relativ sicher voran. Wer allerdings stehen bleibt,verliert. Einfach losgehen und schon wird sich eine Lücke finden. Glücklicherweise wird mehr Wert auf Hupen als auf Geschwindigkeit gelegt.
|
|
|
|
Heute morgen beim Frühstück trafen wir einen Amerikaner, der in Schwetzingen geboren wurde (ca.10 km von unserem Heimatort Wiesloch entfernt). Neben der Tatsache, dass die Welt klein ist, erfuhren wir noch von ihm, dass wir völlig verrückt seien, hier radeln zu wollen.
Viele Mopedfahrer tragen übrigens Mundschutz. Zuerst dachten wir, sie hätten hier wieder mit SARS zu kämpfen, aber die tragen das, weil sie selber so viel Gestank machen. Wie schön muss es hier gewesen sein, als alle noch geradelt sind?! Wir hoffen, diesen Zustand im Norden zu finden, wenn wir die Großstadt verlassen und Richtung chinesischer Grenze radeln. Das machen wir morgen.
Chuc ngu ngon (Gute Nacht!)
Beate und Carol
|
|







